HALO-NAWDIC 2026

NAWDIC (North Atlantic Waveguide, Dry Intrusion, and Downstream Impact Campaign)

Das Projekt North Atlantic Waveguide, Dry Intrusion, and Downstream Impact Campaign (NAWDIC) ist eine neue Initiative für eine internationale Messkampagne, die sich auf die atmosphärische Dynamik in den mittleren Breiten konzentriert mit dem Ziel, detaillierte Beobachtungen zur Verbesserung des Verständnisses und der Modellierung der mesoskaligen Tropopausenstruktur, der Wechselwirkung zwischen Dry Intrusions und planetarer Grenzschicht sowie deren Beziehung zu Extremwetterereignissen im Winter im

Bereich des Nordatlantik zu liefern. NAWDIC wird direkt auf den Erkenntnissen des North Atlantic Wave Guide and Downstream Impact EXperiment (NAWDEX; http://nawdex.org) aufbauen, bei dem diabatische Prozesse in aufsteigenden Luftströmen beobachtet und ihre Auswirkungen auf die Tropopausenstruktur untersucht wurden. NAWDIC wird durch die deutsche HALO-Flugzeugkomponente initiiert, die derzeit für Januar/Februar 2026 geplant ist. Wir sehen NAWDIC jedoch als eine internationale Kampagne, die aus mehreren Komponenten besteht, die als eigenständige Messkampagnen von verschiedenen Gruppen geplant sind, aber von Synergien profitieren werden, die unter dem Dach von NAWDIC koordiniert werden.

NAWDIC wird offiziell vom World Weather Research Programme (WWRP) der World Meteorological Organization (WMO) unterstützt.
(Quelle: https://www.nawdic.kit.edu/)

 

17.12.2025: Wissenschaftlicher Testflug: Bericht von meinem ersten Flug

Den Hangar mit dem Forschungsflugzeug HALO zu betreten, fühlt sich immer besonders an, aber heute nochmal mehr: Es ist das erste Mal, dass ich bei einem Forschungsflug mitfliegen darf!

Der Anfang ist soweit bekannt: Die Anschalt-Checkliste für das Instrument arbeiten wir gemeinsam wie gewohnt durch, auch das Aushallen des Flugzeugs kenne ich von früheren Kampagnen. Doch als die Tür der umgebauten Gulfstream G550 zugeht, ist es anders: Jetzt sitze ich drin, und schaue nicht wie sonst dem Flugzeug beim Starten zu. Noch schnell eine Kalibration durchgeführt, dann rollen wir auf die Landebahn und los geht's in Richtung Nordsee!

Auch drei der vier anderen Wissenschaftler:innen fliegen heute bei diesem Test-Flug zum ersten Mal mit. Natürlich will hier niemand einen Fehler machen, und so liegt eine konzentrierte Stille über dem dröhnenden Kabineninnenraum, in dem wir zwischen surrenden Instrumenten sitzen und gespannt die Messdaten auf den Laptops vor uns verfolgen.

Über Headsets können wir mit den anderen kommunizieren und über einen Datenstream mit dem Boden schreiben. Auch die Vorlesungen zur Luftverschmutzung und zu Messmethoden schauen zeitweise zu. Ein Glück dass alles gut läuft während die Situation beginnt spannend zu werden:

In der Vorhersage hieß es bereits, dass eine Tropopausenfalte beobachtet werden könnte: Eine Region, in der absinkende Luft aus der sonst höheren Stratosphäre in niedrigere Höhen vordringt. Und tatsächlich beginnt es kurz nach Ende des Steigfluges zu Ruckeln, es gibt leichte Turbulenzen, die andeuten, dass hier etwas in der Atmosphäre passiert. Nahezu gleichzeitig beginnen die Messwerte sich zu ändern: N2O nimmt ab, während Ozon zunimmt, ein Hinweis auf stratosphärischere Luftmassen und somit auf eine mögliche Tropopausenfalte.

Das Gefühl dabei ist schwer beschreibbar, es fühlt sich fast magisch an: Von außen lässt sich nichts wahrnehmen, die Luft ist durchsichtig und eine Tropopausenfalte mit dem bloßen Auge nicht erkennbar. Doch wir im Flieger spüren wie es ruckelt, merken wie unser Instrument Änderungen in der Luftzusammensetzung von 0,0000001% wahrnehmen kann und können dadurch dieses unsichtbare Phänomen sichtbar machen. Aus Theorie wird Praxis, und dieser Tag wird mir für immer im Gedächtnis bleiben. (Text: Jonas Blumenroth)


Jonas mit Schultüte und Stephan.

credits: Stephan Kessler

 

 

 

 

 

 

 

 

 

11.12.2025: EMV Testflug

Graue Wolken hängen tief über dem Flugplatz in Oberpfaffenhofen. Ein Grollen wird laut, als die Triebwerke des Flugzeugs anlaufen. Dann taucht HALO hinter einem Gebäude auf, zischt über die Startbahn und hebt ab. Nach wenigen Sekunden ist es in den tiefhängenden Wolken verschwunden und auf unserem Beobachtungsposten auf der Dachplattform wird es still.

Im Flugzeug dagegen wird nun eifrig die Technik getestet. Nach sechs Wochen Einbau und Testen sind alle wissenschaftlichen Instrumente im Flugzeug verbaut und HALO ist bereit zum Abheben. Der heutige EMV-Flug ist der allererste der NAWDIC-Kampagne. EMV steht für elektromagnetische Verträglichkeit. Nach einem Bodentest zwei Wochen zuvor soll nun nämlich sichergestellt werden, dass die Flugzeugelektronik und die Elektronik der wissenschaftlichen Messgeräte sich nicht gegenseitig beeinflussen und das Flugzeug trotz all der Geräte noch sicher fliegt. Von Oberpfaffenhofen geht es mit HALO in den TRA (Temporary Reserved Airspace) Allgäu und zurück.

Für unser Team ist Stephan dabei und hat während des erfolgreichen Flugs auch noch etwas Zeit, ein Bild von Forggensee samt Füssen und Schloss Neuschwanstein vor den Allgäuer Alpen zu machen.

Nach drei Stunden ertönt in den Wolken wieder ein Donnern und kurz darauf rollt HALO zurück aufs Vorfeld vor dem Hangar. Schnell sichern wir die Daten und schalten unser Gerät UMAQS vollständig aus. Jetzt ist alles bereit für den wissenschaftlichen Testflug nächste Woche. (Text: Isabel Kurth)

 

 

 

 

 

 

 

 

credits: Stephan Kessler