Das Projekt North Atlantic Waveguide, Dry Intrusion, and Downstream Impact Campaign (NAWDIC) ist eine neue Initiative für eine internationale Messkampagne, die sich auf die atmosphärische Dynamik in den mittleren Breiten konzentriert mit dem Ziel, detaillierte Beobachtungen zur Verbesserung des Verständnisses und der Modellierung der mesoskaligen Tropopausenstruktur, der Wechselwirkung zwischen Dry Intrusions und planetarer Grenzschicht sowie deren Beziehung zu Extremwetterereignissen im Winter im
Bereich des Nordatlantik zu liefern. NAWDIC wird direkt auf den Erkenntnissen des North Atlantic Wave Guide and Downstream Impact EXperiment (NAWDEX; http://nawdex.org) aufbauen, bei dem diabatische Prozesse in aufsteigenden Luftströmen beobachtet und ihre Auswirkungen auf die Tropopausenstruktur untersucht wurden. NAWDIC wird durch die deutsche HALO-Flugzeugkomponente initiiert, die derzeit für Januar/Februar 2026 geplant ist. Wir sehen NAWDIC jedoch als eine internationale Kampagne, die aus mehreren Komponenten besteht, die als eigenständige Messkampagnen von verschiedenen Gruppen geplant sind, aber von Synergien profitieren werden, die unter dem Dach von NAWDIC koordiniert werden.
NAWDIC wird offiziell vom World Weather Research Programme (WWRP) der World Meteorological Organization (WMO) unterstützt.
(Quelle: https://www.nawdic.kit.edu/)
Halbzeit in Irland! Seit beinahe drei Wochen wird hier pausenlos gearbeitet. Zumindest fast. Ein Tag Pause pro Woche ist noch drin, an allen anderen Tagen wird entweder im Hangar am Flieger gearbeitet, oder HALO hebt ab zu einem Forschungsflug. Dreimal jede Woche, meistens jeweils acht Stunden lang, fliegt HALO vom Flughafen in Shannon aus über den Nordatlantik, durch Tropopausenfalten, Dry Intrusions, Turbulenzen und alle möglichen Arten von Wolken.
Anfang Februar ist die Situation in der Atmosphäre so spannend, dass die vierte Woche in Irland gleich mit zwei Flügen hintereinander startet. Am Montag ist außerdem das französische Forschungsflugzeug Safire zu HALO in den Hangar in Shannon gekommen und nach und nach trudelt auch das französische Forscherteam ein. Es wird voll in den morgendlichen Meetings und in jeder Ecke hört man auf verschiedenen Sprachen Gespräche über aufgenommene Daten, Instrumenten-Performance und bevorstehende Flugpläne und Wetterlagen.
(Text: Isabel Kurth)

After a long exhausting time of silence some news from the HALO Crew in Ireland:
Long days and short nights and „small patches of rain“...
… nicht wegen Guiness und Musik, sondern einem Sprintstart in die Mission. Mit mehr als drei Flügen pro Woche ist die Mission gestartet. HALO ist wohlbehalten am 13. Januar in Shannon gelandet. Alle Geräte haben sich letztlich besonnen und arbeiten, wie sie sollen. Nach einer kurzen Verschnauf- und Einrichtungspause im Hangar fand der erste ‚richtige‘ Messflug am 16.Januar statt. Seitdem wurden in den ersten zwei Wochen in Irland weitere fünf Missionen von den Azoren bis nach Schottland geflogen.
Die Meteorologie spielt in die Karten: Die Wetterküche über dem Atlantik gibt alles: Die Zyklonen kommen quasi auf der Perlenkette Richtung Irland. Ein riesengroßes, beständiges Tief über Island steuert das Ganze und sorgt dafür, dass die Zyklonen teilweise in Sturmstärke nach Europa ziehen. Teils waren die Tiefs mit Extremereignissen verbunden: Starkregen über Spanien und Frankreich, Orkanböen über Portugal und nicht zuletzt auch Schneefall über Mitteleuropa (wenn auch nicht ganz so extrem…).
Ein typischer Flugtag sieht ungefähr so aus:
Los geht’s mitten in der Nacht – um 4.00 Uhr morgens singen hier auch schon die Vögel. Die Geräte wollen aufgewärmt sein, wenn die Messungen starten, deswegen muss das Bodenteam schon mehrere Stunden vor Take-off im Hangar sein. Die Crew kommt ausgeruht kurz vor dem Start, wenn das Bodenteam alles vorbereitet hat.
Letzte Absprachen eine Stunde vor dem Aushallen: Sind alle Geräte messbereit? Hat sich die Wettersituation verschlechtert? Sind die Ziele im Messgebiet erreichbar? - Countdown läuft!
Start ist um 9.00 Uhr – jetzt sind Stephan und Jonas für 9 Stunden unterwegs. Langweilig wird’s nicht: Chatten, Kalibrieren, Checks und Dokumentieren halten einen auf Trab. Belohnt wird man mit kurzen Ausblicken auf Wetter und Wolken aus ungewohnter Perspektive – oft einfach nur schön! Nach fast neun Stunden geht’s nach unten. Auch nach der Landung ist nicht sofort Schluss: Nach einer kurzen Nachbesprechung müssen noch Daten gesichert werden, Nachvermessungen dauern …
Endlich, nach einem langen Tag, geht’s zum wohlverdienten Abendessen bei Fish’n Chios und einem zünftigen Guinness!
(Text: Peter Hoor)
Den Hangar mit dem Forschungsflugzeug HALO zu betreten, fühlt sich immer besonders an, aber heute nochmal mehr: Es ist das erste Mal, dass ich bei einem Forschungsflug mitfliegen darf!
Der Anfang ist soweit bekannt: Die Anschalt-Checkliste für das Instrument arbeiten wir gemeinsam wie gewohnt durch, auch das Aushallen des Flugzeugs kenne ich von früheren Kampagnen. Doch als die Tür der umgebauten Gulfstream G550 zugeht, ist es anders: Jetzt sitze ich drin, und schaue nicht wie sonst dem Flugzeug beim Starten zu. Noch schnell eine Kalibration durchgeführt, dann rollen wir auf die Landebahn und los geht's in Richtung Nordsee!
Auch drei der vier anderen Wissenschaftler:innen fliegen heute bei diesem Test-Flug zum ersten Mal mit. Natürlich will hier niemand einen Fehler machen, und so liegt eine konzentrierte Stille über dem dröhnenden Kabineninnenraum, in dem wir zwischen surrenden Instrumenten sitzen und gespannt die Messdaten auf den Laptops vor uns verfolgen.
Über Headsets können wir mit den anderen kommunizieren und über einen Datenstream mit dem Boden schreiben. Auch die Vorlesungen zur Luftverschmutzung und zu Messmethoden schauen zeitweise zu. Ein Glück dass alles gut läuft während die Situation beginnt spannend zu werden:
In der Vorhersage hieß es bereits, dass eine Tropopausenfalte beobachtet werden könnte: Eine Region, in der absinkende Luft aus der sonst höheren Stratosphäre in niedrigere Höhen vordringt. Und tatsächlich beginnt es kurz nach Ende des Steigfluges zu Ruckeln, es gibt leichte Turbulenzen, die andeuten, dass hier etwas in der Atmosphäre passiert. Nahezu gleichzeitig beginnen die Messwerte sich zu ändern: N2O nimmt ab, während Ozon zunimmt, ein Hinweis auf stratosphärischere Luftmassen und somit auf eine mögliche Tropopausenfalte.
Das Gefühl dabei ist schwer beschreibbar, es fühlt sich fast magisch an: Von außen lässt sich nichts wahrnehmen, die Luft ist durchsichtig und eine Tropopausenfalte mit dem bloßen Auge nicht erkennbar. Doch wir im Flieger spüren wie es ruckelt, merken wie unser Instrument Änderungen in der Luftzusammensetzung von 0,0000001% wahrnehmen kann und können dadurch dieses unsichtbare Phänomen sichtbar machen. Aus Theorie wird Praxis, und dieser Tag wird mir für immer im Gedächtnis bleiben. (Text: Jonas Blumenroth)
Jonas mit Schultüte und Stephan.
credits: Stephan Kessler
Graue Wolken hängen tief über dem Flugplatz in Oberpfaffenhofen. Ein Grollen wird laut, als die Triebwerke des Flugzeugs anlaufen. Dann taucht HALO hinter einem Gebäude auf, zischt über die Startbahn und hebt ab. Nach wenigen Sekunden ist es in den tiefhängenden Wolken verschwunden und auf unserem Beobachtungsposten auf der Dachplattform wird es still.
Im Flugzeug dagegen wird nun eifrig die Technik getestet. Nach sechs Wochen Einbau und Testen sind alle wissenschaftlichen Instrumente im Flugzeug verbaut und HALO ist bereit zum Abheben. Der heutige EMV-Flug ist der allererste der NAWDIC-Kampagne. EMV steht für elektromagnetische Verträglichkeit. Nach einem Bodentest zwei Wochen zuvor soll nun nämlich sichergestellt werden, dass die Flugzeugelektronik und die Elektronik der wissenschaftlichen Messgeräte sich nicht gegenseitig beeinflussen und das Flugzeug trotz all der Geräte noch sicher fliegt. Von Oberpfaffenhofen geht es mit HALO in den TRA (Temporary Reserved Airspace) Allgäu und zurück.
Für unser Team ist Stephan dabei und hat während des erfolgreichen Flugs auch noch etwas Zeit, ein Bild von Forggensee samt Füssen und Schloss Neuschwanstein vor den Allgäuer Alpen zu machen.
Nach drei Stunden ertönt in den Wolken wieder ein Donnern und kurz darauf rollt HALO zurück aufs Vorfeld vor dem Hangar. Schnell sichern wir die Daten und schalten unser Gerät UMAQS vollständig aus. Jetzt ist alles bereit für den wissenschaftlichen Testflug nächste Woche. (Text: Isabel Kurth)
credits: Stephan Kessler

